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Bericht 19.07.2010

Einsatzkarte
Keine Kartendaten hinterlegt

Höhenrausch

Grundlehrgang der Berufsfeuerwehr übt im Bönener Zechenturm

News - Bild 1Garantiert schwindelfrei: Für die angehenden Berufsfeuerwehrleute aus Hamm gehört der „Ausflug” nach Bönen inzwischen fest zur Grundausbildung.
Foto: Westfälischer Anzeiger / Sabine Flanse

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Ein Bericht von Sabine Flanse
Hamm/Bönen. Von Nervosität keine Spur: Völlig gelassen hängt Spike in seinem Geschirr. Weder stört es ihn, dass seine Pfoten keinen Bodenkontakt mehr haben, noch, dass er nur mit einem Seil gesichert in der Luft schwebt.
Spike ist eben schon fast ein Profi. Seit knapp einem halben Jahr wird der Labrador-Berner-Sennhund-Mischling bei der Feuerwehr Hamm zu einem Rettungshund ausgebildet.
Gestern übte der Rüde nun gemeinsam mit seinen zwei- und vierbeinigen Kollegen von der Rettungshundestaffel das Abseilen aus der Höhe im Bönener Zechenturm. "Für die Hunde ist das ein Spiel, es ist zwar anstrengend, aber sie haben Spaß dabei", erklärte Staffelführer Rainer Müller. Auch er hatte seinen Hund dabei, die 18 Monate alte Hovawart-Hündin Helena.
"Sie ist mein erster Hund und ich habe überlegt, was ich mit ihr machen kann, um sie zu fördern." Auf klassischen Hundesport, der höchstens die heimische Vitrine mit Pokalen füllt, hatte der Berufsfeuerwehrmann keine Lust. Schließlich kam ihm die Idee mit der Rettungshundestaffel. "Das ist sinnvoll und gleichzeitig gut für den Hund." Bei seinen Vorgesetzten rannte Rainer Müller damit offene Türen ein. Und so trainieren inzwischen seit neun Monaten fünf Hunde verschiedener Rassen mit "Frauchen" oder "Herrchen" ehrenamtlich für den lebensrettenden Einsatz.
Als Paten und Ausbilder unterstützt die Hundestaffel der Iserlohner Feuerwehr die jungen Kollegen aus Hamm.
Vor allem ihre "Supernasen" sind in diesem Job gefragt. "Eingesetzt werden Hundestaffeln hauptsächlich zur Suche vermisster Personen, etwa nach einem Reitunfall, bei vermissten Kindern oder ähnlichem", sagte Müller. Erste Aufgabe im Förderturm war deshalb gestern Nachmittag auch das Suchen nach Verschollenen. "Sie suchen dabei nicht nach einer bestimmten Person, sondern nach Menschen", erklärte Müller.

Für die vier Spürnasen aus Hamm kein Problem. Nur wenige Minuten brauchten die angehenden Lebensretter nach dem Befehl "Such und hilf", um die versteckten Hammer Feuerwehrleute zu finden. Schließlich gab es bei Erfolg eine entsprechende Ration aus dem Leckerchenbeutel ihrer Besitzer.
Und auch die wurden gefordert. Sie mussten sich nämlich gemeinsam mit ihren Tieren im Turm abseilen. "Über das Geländer zu steigen, war echt schwer", erzählte Katja Beier hinterher. Zwar hatte sie zuvor schon einmal an einer Drehleiter geübt, Überwindung kostete es sie aber trotzdem, die sichere Plattform im Turminnern zu verlassen. Ihren Begleiter, den fünf Monate alten Shih-Tzu-Rüden AJ musste die Hammerin übrigens am Boden lassen. Für den kleinen Kerl war das Rettungsgeschirr schlicht zu groß.
Ausreichend passende Geschirre hatten dagegen die zwölf Auszubildenden der Hammer Feuerwehr dabei. Auch sie trainierten im Zechenturm in Schwindel erregender Höhe. Unter Anleitung der Oberbrandmeister Dirk Tessarek und Dieter Abel übten sie einen Tag lang das Abseilen und Sichern. Für die Retter ging es allerdings wesentlich höher hinauf als für die Hundestaffel. Bis auf über 30 Meter Höhe wagten sich die Feuerwehrmänner in das stählerne Skelett. "Der Turm ist dafür super. Wir sind total dankbar, dass wir ihn nutzen dürfen", sagte Dirk Tessarek.
Seit einigen Jahren kommt der Ausbilder, der in Bönen lebt, mit seinen Zöglingen zum "Höhentraining" auf die ehemalige Zeche. "Was wir üben können, machen wir hier. Keine Idee bleibt ungenutzt", so Tessarek. "Zumal wir absolut witterungsunabhängig sind."
Ein bisschen Schweiß floss bei den sommerlichen Temperaturen trotzdem, obwohl die Übenden aufgrund des immer noch überall gegenwärtigen Kohlenstaubs auf die schwere Feuerwehrkluft verzichten durften - bis auf den obligatorischen Helm und die Sicherheitsschuhe.
Zum Dank für die Turmnutzung machten sich die Retter dann auch gleich noch nützlich: Im Rahmen einer Übung, befestigten sie das meterlange Banner, welches vor drei Jahren im Ferienspaß von jungen Künstlern gestaltet worden war, neu.





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